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Sehestedter Naturfarben

Sehestedter Knochen- und Haut- und Hasenleim

Diese Naturprodukte werden durch Heißwasserextraktion aus frischen, entfetteten Knochen oder aus Häuten hergestellt.
Das Rohmaterial kommt aus Deutschland und aus China (BSE-frei)!

Das Knochenleim-Granulat oder das Hautleim-Granulat wird zunächst in kaltes Wasser eingerührt, wo es quillt, ohne in Lösung zu gehen. Nach vollständiger Quellung, die einige Stunden dauert, tritt nach Erwärmen auf höchstens 60°C im Wasserbad eine sofortige Lösung ein. 

Mit diesen Leimlösungen (bis zu 50%) können Holzteile verleimt werden.

Der Unterschied zwischen Knochen- und Hautleim liegt in der Qualität des  Rohmaterials. Der Hautleim ist elastischer als der Knochenleim.

Der Kochenleim wird hauptsächlich im Tischlerhandwerk benutzt, während der Hautleim von den Instrumentenbauern und Vergoldern seit altersher angewendet wird.

Weitere Informationen zu den Leimen

Eine erste grobe Klassifizierung der bekannten Leime ist die Unterscheidung in

Heiß- und Kaltleime.

Zu den Heißleimen zählen alle tierischen Leime, die das Umwandlungsprodukt der in tierischen Bindegeweben enthaltenen Kollagene sind. Kollagene sind in Wasser stark quellende Eiweisskörper, die vor allem in Lederhaut, in Knorpeln, Bindegeweben, Sehnen, Facien, Bändern und in der eiweisshaltigen Grundsubstanz des Knochens (Ossein) vorkommen. Werden die Kollagene mit heißem Wasser (besonders unter erhöhtem Dampfdruck) hydrolisiert, so verlieren sie ihre Struktur; sie quellen auf und lösen sich in heißem Wasser. Dieses Produkt heißt Glutin; es ist der wesentliche Bestandteil von Leim und Gelatine. Beim Erkalten erstarrt diese Lösung zu einer elastischen Gallerte, die zu einer hornartigen, durchsichtigen Masse eintrocknet. Dieser eigentliche Leim quillt in kaltem Wasser langsam auf, ohne sich zu lösen; beim Erwärmen (Wasserbad) löst er sich leicht zu einer Flüssigkeit von hoher Klebkraft auf.

Je nach dem Ausgangsmaterial unterscheidet man zwischen Knochen-, Haut-, Hasen-, Fisch- und Hausenblasenleim. Die letzten beiden führen wir nicht lagermäßig, sie können aber auf Bestellung beschafft werden. Fischleim wird aus Fischabfällen, Gräten, Häuten, Schuppen und Hausenblasenleim aus den Schwimmblasen der Hausen und des Störs gewonnen. Die neue russische Regierung hat den Fischfang auf   Stör stark eingeschränkt. Deswegen ist der Preis für Hausenblase heute noch höher als früher (E 200,- bis 250,-/kg).

Der von uns vertriebene Knochenleim kommt jetzt aus China. Er hat eine etwas geringere Klebkraft als der aus Deutschland stammende Hautleim, dafür geliert der Hautleim aber früher. Hasenleim wird aus Abfällen von Hasen und anderen Kleintieren hergestellt; er klebt weniger gut trocknet aber schneller als Knochenleim.

Hier soll auch auf die in letzter Zeit beängstigende BSE-Frage eingegangen werden:

Solange davon ausgegangen wird, daß von der Verwendung von Gelantine keine Gefahr ausgeht, dürfte auch keine BSE-Übertragung durch Knochen- und Hautleim vorkommen. Sicherheitshalber beziehen wir den Knochenleim aus dem Herstellungsland China. Gelantine wird vornehmlich durch Hydrolyse des in Haut und Knochen (Ossein) von Tieren enthaltenen Kollagens unter sauren (Typ A-G.) oder alkalischen (Typ B-G.) Bedingungen gewonnen. Die Weltproduktion an Gelantine beläuft sich z.Zt. auf über 125000t/a.

Zwecks eigener Meinungsbildung sei hier die Produktion von Hautleim beschrieben. Ich beziehe mich hierbei auf die zweite Auflage des RÖMPPS von 1950 (in den heutigen Ausgaben werden solche Einzelheiten der Naturprodukte nicht mehr erwähnt):

Bei der Herstellung von Hautleim legt man die frischen Hautabfälle und Felle aus Abdeckereien, Gerbereien usw. zwei bis vier Wochen lang in eine 5%ige Kalkmilch (Auflockerung der Hautstruktur und Quellung , die die nachherige Hydrolyse erleichtert), dann wird der Kalk mit großen Wassermengen gründlich ausgewaschen und das zurückbleibende Kollagenmaterial in vernickelten Kesseln mit Siebböden zusammen mit Wasser etwa zwei Stunden lang auf  70 Grad erwärmt. Die hierbei entstehende, wenig abgebaute, 5- bis 10%ige Lösung wird abgelassen (1.Sud) und auf Gelantine verarbeitet. Beim nächsten Sud erhitzt man das zurückbleibende Material auf 80-90 Grad und so stellt man 3 bis 4 Sude mit steigenden Temperaturen her; erst beim letzten Sud wird zum Sieden erhitzt. Je höher die Temperatur, um so dunkler die Farbe des Suds, um so weiter ist der Abbau (Hydrolyse) vorangeschritten. Bei der Weiterverarbeitung werden mehrere Sude miteinander vereinigt, geklärt, gebleicht und im Vakuum bei 50 Grad auf 25 bis 40% eingedampft. Die so erhaltene zähflüssige Brühe giesst man in 10 mm hohe Schichten auf Leimtische, die von unten mit Wasser gekühlt werden. Die halbfeste Gallerte wird weiter getrocknet und zerkleinert und ist dann beliebig lange haltbar.

Durch Zusatz von Zinkchlorid (hygroskopisch) kann Hautleim flüssig und kaltlöslich gemacht werden (Vogelleim).

Der eigentliche Kaltleim besteht jedoch in der Regel nicht aus Glutin, sondern aus Kaseinpulver , dem Soda, Borax oder Trinatriumphosphat in Pulverform beigemischt ist. Rührt man dieses Produkt in einem Schälchen mit wenig Wasser bei Zimmertemperatur an, so erhält man nach 5 Minuten einen gut klebenden Leim. Wir bieten wegen der zu geringen Nachfrage nur die Rohstoffe an.

Als fertiges Rohstoffset sei hier jedoch auf den Sehestedter Kalk-Kaseinleim hingewiesen.

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