Blaufärben
mit Indigo-Küpe
Indigo ist einer der ältesten Farbstoffe der Menschheit.
Der Farbstoff wird aus den Blättern der Indigo-Pflanze hauptsächlich in Indien gewonnen.
In Europa wurde aus dem Färberwaid der Farbstoff Indican
gewonnen. Die Blütezeit des Waidanbaues war in der Zeit von 1230 bis 1680. In 300
Dörfern Thüringens wurde die Pflanze gesät, geerntet und verarbeitet.
Aufgekauft und europaweit gehandelt wurde das Produkt durch die
Waidhändler in Erfurt, Arstadt, Gotha, Tennstedt und Langensalza.
Der Waidhandel machte Thüringen im Mittelalter reich und mächtig. Er
hatte einen hohen Stellenwert und wurde mit Gold aufgewogen. Man nannte ihn auch das
goldene Vlies Thüringens.
Nach 1680 wurde Waid durch Indigo abgelöst. Die letzte Waidfabrik
Europas existierte bis 1820 in Neudietendorf. Seit 1980 wird Waid wieder in Neudietendorf
angebaut.
Die Lichtechtheit und Intensität des Waid kommt der des echten
indischen Indigos (wenn es unverschnitten ist!) jedoch nicht nahe, so daß wir weiterhin
indischen Indigo anbieten. So verarbeitet Karl Grieder, der uns die
Pflanzenfarben-Pigmente für die Wandlasuren herstellt, auch nur den indischen Indigo.
Die Waid- oder Indigo-Küpenfärbung hat ihren Namen von den großen
Reaktionsgefäßen, in denen im Mittelalter der Farbstoff umgesetzt wurde, den Küpen. Bei
dieser Methode muß der
zunächst in Wasser unlösliche Farbstoff in eine lösliche Form
gebracht werden. Auf der Faser selbst wird er wieder in die unlösliche Form
zurückverwandelt und gibt so eine sehr dauerhafte Färbung.
In der Küpe entzieht man dem Indigo oder Waid in einer Lauge
(Natriumhydroxid) den Sauerstoff. Indigo verwandelt sich dabei in das farblose, aber gut
lösliche Indigoweiß. Früher leitete man diese Reaktion durch Vergärung von
urinhaltigen Küpen ein, heute kann dafür das sauerstoffentziehende Natriumdithionit
(veraltet auch Hydrosulfit genannt) einsetzen. Hierdurch wird die Küpenfärbung nahezu
geruchlos und sehr vereinfacht. Wolle, Baumwolle oder Seide wird nun durch die Küpe
gezogen. Die Blaufärbung geschieht jedoch erst danach an der Luft. Hier verwandelt der
Luftsauerstoff das Indigoweiß zurück in das Indigoblau.
Nach Beendigung dieses mehrmaligen Prozesses und einer Belüftungszeit
von etwa einer Stunde wird die Wolle oder die Textilien mit kaltem Wasser einige Male
gewaschen. Da die Farbe der Wolle durch die Basen geschädigt wurde, gibt man in den
letzten Wäschegang etwas Zitronensäure oder Essig , um die restlichen Basen zu
neutralisieren.
Die gelieferten Färbzutaten sind für 1Kg Wolle mit einer 20-l-Küpe
berechnet:
15 g Natriumhydroxid (Ätznatron)
30 g Natriumhydrosulfit
(Natriumdithionit)
15 g Indigo
5 g Knochenleim
21.5l Wasser
100 g Zitronensäure
Hieraus werden zwei Lösungen angefertigt.
Lösung 1:
In einem Glasbehälter, in dem sich 0.5 l Wasser von 48°C befinden,
werden 15 g Natriumhydroxid gelöst. Vorsicht Natronlauge ist stark ätzend!
In einem zweiten Glas werden 15 g Indigo mit sehr wenig Wasser und
einem Spritzer Spüli zu eienm salbenähnlichen Teig zerrieben. Dieser Teig wird in die
Natronlauge gegeben und sodann langsam 10 g Natriumhydrosulfit (1/3 der o.g.Menge) in
dieser Mischung durch vorsichtiges Umrühren aufgelöst. Nicht zu heftig rühren, da sonst
die Sauerstoffaufnahme gefördert würde! 1 bis 2 Stunden zugedeckt stehen lassen, bis die
Lösung gelb oder dunkelgrünlich wird. In beiden Fällen sieht man eine klargelbe Farbe,
wenn man einen Glas- oder Holzstab in die Lösung hineintaucht und wieder heraunimmt. Nach
etwa einer halben Minute wird die Lösung blau.
Lösung 2:
In einem geschlossenen Gefäß mit 1.0l kaltem Wasser werden 20 g
Natriumhydrosulfit aufgelöst. Man läßt die Mischung zugedeckt etwa 5 - 10 Minuten
stehen.
Vorbereitung des Farbbades:
20 l Wasser, das auf 48°C erwärmt wurde, werden in einen Emaille-
oder Polyethylen-Eimer, gefüllt (es ist zu berücksichtigen, daß dies Gefäß in ein
zweite größeres gestellt werden kann, um ein Wärmebad zu erhalten). Dann gibt man 130
ml Lösung 2 in den Topf und läßt die Mischung 10 Minuten stehen. In einem
kleinen Gefäß löst man 5 g Leim in wenig Wasser durch Kochen auf und gibt auch diese
Lösung in den Eimer. Dann läßt man die Lösung 1 mit einem Schöpflöffel
vorsichtig, ohne daß sich Luftbläschen entwickeln, seitlich an der Wand des Eimers
hineinlaufen und rührt vorsichtig um. Das Umrühren muß sorgfältig und langsam
vorgenommen werden, damit durch das Rühren kein Luftsauerstoff in das Farbbad gelangt.
Nach 20 Minuten nimmt die Flüssigkeit eine hellgelbe Farbe an (auf der Oberfläche kann
eine dünne, blaue Schicht schwimmen, wenn man die se zur Seite schiebt, muß aber die
gelbe Flüssigkeit zu sehen sein). Ist die Flüssigkeit jedoch grünlich, muß von der Lösung
2 noch ein wenig dazugegeben werden. Danach ist das Farbbad zum Färben fertig.
Ist die Temperatur des Farbbades während der Färbung bis auf 30°C
gesunken, so muß der Eimer in ein heißes Wasserbad gestellt werden ( z.B. ein
Einkochtopf), bis die Temperatur wieder 48°C erreicht hat.
Keinesfalls sollte die Temperatur höher steigen, da Indigo sich bei
über 60°C zersetzt!
Nimmt während der Färbung das Farbbad eine bläuliche Färbung an, so
wird von der Lösung 2 dazugegeben; das Farbbad wird dann wieder gelb. Falls das
Farbbad trüb wird, kann ein wenig Natronlauge dazugegeben werden.
Soll ein besonders dunkles Blau gewünscht, wird die restliche Menge
der Lösung 1 hinzugegeben. In gut verschlossenen Flaschen kann die Lösung 1 und 2
bis zur nächsten Färbung aufbewahrt werden.
Färben:
Die zu färbende Wolle, Baumwolle oder Seide wird vorher eine Stunde
lang mit Wasser durchnäßt. Um die Appretur bei neuen Baumwollstoffen zu entfernen, sind
sie vorher mit Seife zu waschen und evtl. zu kochen; ansonsten wird die Färbung
ungleichmäßig. Aus der Wolle oder den zu färbenden Textilien wird das überflüssige
Wasser ausgepreßt. Vorsichtig und langsam hängt man dann das zu färbende Gut ganz in
das Farbbad hinein. Während des Färbevorgangs wird einige Male mit einem Glas- oder
Holzstab durchgerührt, ohne das Färbegut an die Oberfläche zu bringen. Nach einer
halben Stunde wird das Färbegut herausgenommen. Das heruntertropfende Wasser darf nicht
in den Eimer zurücktropfen. Die Wolle oder Textilien werden nicht ausgewrungen auf eine
Wäscheleine gehängt und eine halbe Stunde belüftet. Ein einmaliges Färben nach diesem
Verfahren kann schon ausreichend sein.
Um aber eine gleichmäßige Färbung zu erzielen, ist es vor allem bei
Baumwolle notwendig, den Färbevorgang 2 oder 3mal zu wiederholen. bei jedem Eintauchen
wird das Textilstück eine halbe Stunde im Farbbad gelassen und eine halbe Stunde
belüftet.
Nach Beendigung der Färbung und einer Belüftungszeit von etwa einer
Stunde wird die Wolle oder die Textilien mit kaltem Wasser einige Male gewaschen. Um die
restlichen Basen zu neutralisieren, gibt man in den letzten Waschgang etwas
Zitronensäure.
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