Entwicklung einer Druckpaste
mit pflanzlichen Farbpigmenten
Ich möchte Ihnen eine schwermetallfreie Druckfarbe auf
der Basis nachwachsender Rohstoffe vorstellen. Die Farbpigmente werden aus Färbepflanzen
gewonnen und ohne Zusatz sonstiger Pigmente (z.B. Metalloxidmischphasenpigmente oder
Erdfarben) in ein natürliches Bindemittel auf Basis einer Chitosan-Öl-Emulsion.
Für die Entwicklung der Druckfarbe war meine Firma die Sehestedter
Naturfarben verantwortlich. Für die Entwicklung der pflanzlichen Pigmentdispersionen
wurde ein Unterauftrag an den Schweizer Farbstoffchemiker Karl Grieder vergeben.
Wir beide verfügen über besondere Erfahrungen im Bereich Auftragsforschung und
Entwicklung von Naturfarben sowie der Herstellung von Farbpigmenten aus Färbepflanzen.
Das KATALYSE Institut übernahm die wissenschaftliche Begleitung, die
toxikologische Bewertung und Absicherung der Rohstoffe. Die Entwicklung wurde gefördert
durch die Deutsche Bundesumweltstiftung.
Neben den ökologischen Gründen, die für die
Herstellung einer pflanzlichen Druckfarbe sprechen, waren auch rein marktwirtschaftliche
Gesichtspunkte für die Umsetzung des Vorhabens ausschlaggebend. Es ist ein Marktpotential
und Bedarf vorhanden, die bisher von keinem Druckfarben-Anbieter abgedeckt wird. Die
wenigen im Markt angebotenen sog. "natürlichen" Druckfarben halten einer
kritischen ökologischen Betrachtung nicht Stand und verfügen u.a. aus diem Grund nur
über eine begrenzte Marktakzeptanz.
Deutliche Anzeichen eines aufnahmebereiten Marktes für
natürliche Druckfarben existieren. Vor und während des Projektes wurden zahlreiche
Gespräche mit potentiellen Kunden geführt (z.B. Alb Natur, Living Crafts und S.
Reincke), die ihren Willen zum Einsatz dieser neuen Druckfarben bekundet haben. Für sie
sind die Schwermetallfreiheit und die guten qualitativen Eigenschaften der neuen
pflanzlichen Druckfarben von größter Bedeutung, da sie mit den im Markt angebotenen
"natürlichen" Druckfarben schlechte Erfahrungen gemacht haben. Ihre Produkte
wurden von einem kritischen Verbrauchermagazin auf Grund hoher Schwermetallgehalte in den
"natürlichen Druckfarben" und der Grenzwertüberschreitung eluierbarer
Schwermetalle, als nicht empfehlenswert eingestuft.
Zum Marktpotential von pflanzlichen Farbstoffen hatte das
KATALYSE Institut 1993 eine Markterhebung im Auftrag der EU-Kommission
durchgeführt. Für den "Textilbereich" wurde damals ein Potential von 5 bis 10
Prozent Anteil am Markt für gefärbte Textilien ermittelt. Legt man diese Zahlen
zugrunde, so würde dies für den bundesdeutschen Bereich "Textildruck" einen
perspektivischen Bedarf von 150 bis 300 t pflanzlicher Farbstoffe und 550 bis 1.100 t
natürlicher Bindemittel bedeuten.
Diese Zahlen bedürfen selbstverständlich einer
kritischen Würdigung und Relativierung, denn sie beruhen auf unverbindlichen
Willensbekundungen, die zu einem Zeitpunkt abgegeben wurden, zu dem sich die öffentliche
Diskussion um "Gift in Textilien" auf ihrem Höhepunkt befand. Die Erfahrung
lehrt, daß gerade bei Erhebungen zum Marktpotential "ökologischer
Gebrauchsgüter" eine starke Diskrepanz zwischen dem statistisch erfaßten Willen
bzw. Wunsch und dem tatsächlichen Handeln, nämlich dem Kauf eines entsprechenden
Produktes besteht.
Um die Erwartungen an den späteren Absatz der
pflanzlichen Druckfarben nicht auf zu hohem Niveau anzusetzen, sollten die oben
ermittelten Bedarfszahlen deutlich nach unten korrigiert werden. Nach der erfolgreichen
Markteinführung erscheint der KATALYSE ein tatsächlicher Bedarf von 10 - 20 t
pflanzlichen Pigmentdispersionen und 100 - 200 t Bindemittel pro Jahr als realistisch.
Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf den bundesdeutschen Markt. Berücksichtigt
man die Kapazitäten anderer Länder, so dürfte eine Verdoppelung dieser Werte als nicht
zu gewagt erscheinen, zumal sich die Rahmenbedingungen für den Absatz von
Textildruckfarben allgemein verbessert haben.
Ziel des geförderten Projektes war die Entwicklung von
drei pflanzlichen Textildruckfarben. Diese Zielstellung wurde erreicht. Die zu Beginn des
Projektes von den Projektbearbeitern aufgestellten hohen technischen und qualitativen
Anforderungsprofile an die zu entwickelnden pflanzlichen Textildruckfarben und ihre
Komponenten konnten realisiert werden. Es entstanden vier vollkommen neuartige, technisch
und qualitativ hochwertige Siebdruckfarben: Indigo-Blau, Indigo-Rotviolett, Krapp-Rot, und
Reseda-Gelb.
Die Druckfarben können durch Änderung der
Pigmentanteile und durch Mischen verschiedener Pigmentdispersionen in ihrer
Farbintensität und Farbpalette variabel gestaltet bzw. erweitert werden. Das Bindemittel
besteht aus Rizinusstandöl, Leinölstandöl, Holzöl, Holzölstandöl, EumulginB1,
5,5%-ige Chitosanlösung, Essigsäure oder Milchsäure. Die Verwendung von Chitosan in der
Druckpaste (als Verdickungsmittel) ist bis auf weiteres einmalig. Für den natürlichen
Rohstoff Chitosan wurde ein weiterer zukunftsträchtiger Einsatzbereich erschlossen. Eine
wichtige Innovation ist durch den Einsatz von Chitosan ermöglicht worden: 100%-ige
Lösemittelfreiheit der Siebdruckfarben. Außerdem kann durch die fungistatische Wirkung
des Chitosans auf jegliche Konservierung der Druckpaste verzichtet werden.
Der innovative Charakter der neuen Druckfarben besteht
insbesondere in der Herstellung schwermetall-, AOF- und AOX-freier Druckfarben auf der
Basis nachwachsender Rohstoffe und Färbepflanzen. Die Druckfarben sind bis heute
konkurrenzlos und die einzigen, die reine pflanzliche Pigmentdispersionen enthalten. Durch
den Einsatz von Chitosan als Verdickungsmittel in der Druckpaste wird es möglich eine
absolute Freiheit von chemischen Lösemittel im Siebdruckverfahren zu ermöglichen.
Anhaftungen und Reinungsvorgänge können unproblematisch mit Wasser ohne Zusatz von
Spezialreinigungsmitteln vorgenommen werden.
Bei der Herstellung der pflanzlichen Druckfarben
entstehen keine als Sondermüll zu entsorgende Abfälle; Fehlmischungen und
Reinigungsrückstände können problemlos kompostiert oder als Gewerbemüll entsorgt
werden.
Verarbeitungstests haben gezeigt, daß die entwickelten
Druckfarben problemlos verarbeitet werden können, wobei in den Abläufen und im Handling
keine Unterschied zu synthetischen Druckfarben bestehen. Die technische Qualität der
neuen Textildruckfarben entspricht den allgemein bekannten Qualitäten syntethischer
Druckpasten. Hinsichtlich des Arbeitsschutz ist eine deutliche Entlastung der
Arbeitsplatzbelastung zu verzeichnen, da die pflanzlichen Druckfarben ohne chemische oder
natürliche Lösungsmittel wie z.B. Benzin, Toluol oder Citrusterpene auskommen.
Beim Drucken des Textils mit den neuen Druckfarben
entstehen keine problematischen oder giftigen Abwässer. Farbreste aus den pflanzlichen
Druckfarben können aus dem Abwasser filtriert und nach ihrer Trocknung kompostiert
werden.
Nach dem heutigen Stand des Wissens sind durch die
pflanzlichen Druckfarben keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen des Endverbrauchers
zu befürchten. Die Gebrauchseigenschaften der neuen Textildruckpasten weisen gute Licht-
und Waschechtheiten auf. Nach einer ersten Abschätzung werden die Endverkaufspreise von
Textilien zwischen 5 und 10 Prozent höher als bei der Verwendung synthetischer
Druckfarben liegen.
Die im Projekt erzielten Ergebnisse zeigen, daß die
Realisierung und Herstellung von reinen pflanzlichen Druckfarben auf Basis nachwachsender
Rohstoffe unter Berücksichtigung der hohen Anforderungen von Textildruckereien und
VerbraucherInnen möglich ist. Die technischen Qualitäten der Druckfarben als auch die
Gebrauchseigenschaften (wie z.B. Wasch- und Lichtechtheiten) der bedruckten Textilien
entsprechen in allen Parametern weitestgehend den Werten, die synthetische Druckfarben
erreichen.